Jahreslosung 2016

Gott spricht:
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 

Jes 66,13

Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Herzogsägmühlerinnen und Herzogsägmühler!


Es ist Herbst, während ich diese Zeilen schreibe. Trostlose Bilder bestimmen die Nachrichten, ungezählte Menschen sind auf der Flucht vor Krieg, Folter, Vergewaltigung, Verstümmelung. Menschliche Leiber werden an Strände gespült, nicht einmal das nackte Leben ist ihnen geblieben. In unserem schönen, reichen, mit Frieden beschenkten Land werden Notunterkünfte angezündet, egal, ob es noch ein Rohbau ist oder schon Menschen darin leben. Blanker Hass in sozialen Netzwerken, ein sich gegenseitig Übertreffen an Mitleidlosigkeit im Namen der vorgeschobenen Sorge um Deutschland und die Deutschen, einhergehend mit dumpfer Angst und dem Gefühl, im Leben immer zu kurz zu kommen. Auch da hinein spricht die Jahreslosung von Trost.

Hunderte Freiwillige begrüßen ankommende Flüchtlinge am Münchener Hauptbahnhof mit Applaus, mit Decken, mit Spielzeug und Kuscheltieren, mit Obst, Sandwiches, Getränken. "Man muss doch etwas tun", sagen Rentner und Studenten, Deutsche und Migranten in einer unglaublich bewegenden Allianz der Helfenden. Vertreter der Kirchen und der Diakonie in der ersten Reihe, einig in der Sorge um traumatisierte und verängstigte Menschen. Mütter halten kleine Kinder im Arm, sie zeigen ihnen: Schau, es wird gut werden, hab keine Angst. Ich sehe die Bilder und bin getröstet, vielleicht noch mehr getröstet als die Kinder, denen der Trost gilt und mehr als die Flüchtlinge, denen die Zuwendung gilt. Es gibt noch Menschen, die den Trost Gottes für sein Volk spürbar weitergeben an den Nächsten.

Wie tröstet eine Mutter? Sie drückt das Kind an sich, bleibt nah, nimmt den Schmerz ernst. Aber sie lässt spüren: Dein Schmerz jetzt ist nicht Alles, es gibt da noch mehr, es gibt ein Morgen, ein Übermorgen, es gibt einen guten Sinn hinter, über und unter Allem. So erzählt auch der Prophet Jesaja: Es gibt eine gute Zukunft für die Stadt Jerusalem und für die Menschen, die in ihr wohnen, Flucht, Exil, Vertreibung haben nicht das letzte Wort, es kommt eine gute Zeit mit Gottes Segen. Die Menschen in Israel zur Zeit von Jesaja kannten die Erfahrungen, die heute Menschen aus Syrien, aus dem Irak, aus Mali oder Afghanistan nach Europa bringen. Sie kannten die Vertreibung, den Verlust von Heimat, den Verlust persönlicher Sicherheit und Freiheit, sie kannten den Tod als täglichen Begleiter. Da hinein ruft Jesaja: Gott will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Nadja Kayser und Andreas Stuhlert aus Herzogsägmühle haben die Jahreslosung fotographisch übersetzt. Das Bild rührt mich, weil es das Bild einer tröstenden Mutter nicht kitschig-glatt, sondern spannungsreich zeigt: Die Mutter kniet – weil sie dankbar ist für das Geschenk des Lebens in ihren Händen, oder weil sie betet, oder weil sie niedergedrückt ist von der Last der Verantwortung?

Sie schaut auf das Kind in ihrem Arm – selbst getröstet oder voller Unsicherheit, wie das alles werden soll? Sie kniet im Wasser – angenehme Abkühlung an einem heißen Sommertag oder bedrohliche, unwirkliche Weite, in der man versinken kann? Das Foto lässt Raum für meine Gefühle, für meine Interpretation.

In Herzogsägmühle begleiten wir oft Menschen, die von ihrer Mutter nicht getröstet wurden. Wir begleiten Mütter, die ihre Kinder nicht so trösten konnten, dass das Leben gelingt. Wir begleiten Väter, die die tröstende Mutter verließen, wir begleiten Kinder von psychisch kranken Eltern, von Eltern, die gar nicht da waren. Es ist nicht leicht, all diesen Menschen glaubwürdig vom großen Trost zu erzählen, den Gott uns allen zusagt. Es ist nicht leicht, aber es ist wichtig, ja lebensnotwendig: Wir selbst sollen hören und glauben, dass Gott uns trösten will. Wir sollen über unseren Schmerz, über unsere Flucht, über unseren Verlust lieber Menschen, über unseren bevorstehenden Tod hinaus vertrauen auf die Prophezeiung: "Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein."

Eine Offenbarung in der Bibel, aber auch eine Offenbarung für uns, wenn Bilder über uns hereinbrechen und Menschen unsere Hilfe brauchen.

Mit herzlichen Grüßen aus Herzogsägmühle

Wilfried Knorr, Direktor

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