Aus dem Aufsichtsrat

Barbara Kittelberger

Geboren 1954 bin ich in einem Pfarrhaus aufgewachsen; nach Studium in Erlangen und Tübingen bin ich seit 1979 als Pfarrerin an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Arbeitsfeldern tätig. Unter anderem war ich zusammen mit meinem Mann für drei Jahre in den USA zur Weiterbildung im Bereich Seelsorge. Neben meiner Ausbildung als Lehrsupervisorin bin ich Paar- und Familientherapeutin. Nach vielen Jahren in der Seelsorge bin ich seit 2004 Stadtdekanin im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk München (ca. 270 000 Mitglieder). Mit 68 Kirchengemeinden, sechs Prodekanaten und den Evangelischen Diensten München ist dieses Dekanat das größte in der Bayerischen Landeskirche. Ich bin Pfarrerin mit Leib und Seele. Gottes Freiheit, die uns Raum lässt, ist mir ebenso wichtig, wie die Achtsamkeit und Einmaligkeit, die Gott uns schenkt und die wir einander weiterschenken dürfen.

 

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich in der Diakonie?

Barbara Kittelberger: Diakonie ist der ausgestreckte Arm der Kirche. Kirche und Diakonie sind aufs Engste miteinander verbunden. Für mich kann es keine Kirche geben, die nicht diakonisch ist und keine Diakonie, die sich nicht deutlich als Teil der Kirche versteht und danach handelt. Um glaubwürdig von der Liebe Gottes zu reden, möchte ich dazu beitragen, dass diese Liebe anderen Menschen zu einem würdevollen Leben verhilft.

 

Wie kam Ihr Kontakt mit der IMM und damit mit Herzogsägmühle zustande?

Barbara Kittelberger: Die Innere Mission München ist ein wichtiger Partner der Evangelischen Kirche in der Region München. In vertrauensvoller und arbeitsteiliger Zusammenarbeit gestalten wir unser Miteinander in ökumenischen und sozialen Kontexten. So ist gewährleistet, dass die evangelische Stimme gehört wird. Der Dekanatsbezirk München hat gemeinsam mit der Inneren Mission München im Jahr 1996 den Qualifizierungs- und Beschäftigungsbetrieb diakonia gegründet. Dieser gibt arbeitslosen Menschen nicht nur die Chance auf einen befristeten Arbeitsplatz, sondern eine zusätzliche Qualifizierung für den allgemeinen, den sogenannten ersten Arbeitsmarkt. In meiner Funktion als Stadtdekanin bin ich Mitglied im Aufsichtsrat und nehme dieses Ehrenamt gerne wahr.

 

Was ist Ihnen im Aufsichtsrat besonders wichtig?

Barbara Kittelberger: Die unterschiedlichen Professionen, die im Aufsichtsrat vertreten sind, gewährleisten einen umfassenden und ganzheitlichen Blick auf die Arbeit und Projekte der Diakonie. Mir liegt besonders daran, die evangelische Identität zu stärken, das diakonische Profil als Alleinstellungsmerkmal in den einzelnen Arbeitsbereichen zum Leuchten zu bringen und zu garantieren. Der Mensch muss neben allen wirtschaftlichen Überlegungen im Mittelpunkt stehen. Das gilt für den Umgang mit Beschäftigten und natürlich auch mit Klienten.

 

Was liegt Ihnen bei der Arbeit in Herzogsägmühle besonders am Herzen?

Barbara Kittelberger: Herzogsägmühle ist ein herausragendes Beispiel für eine gelingende Integration von Menschen, die im Leben in irgendeiner Form benachteiligt sind. Hier, in dieser besonderen Dorfgemeinschaft, finden diese Menschen Lebensraum auf Zeit oder auf Dauer, begleitet von Fachleuten aus sozialen, medizinischen, pflegerischen, handwerklichen, kaufmännischen und technischen Berufen. Herzogsägmühle für benachteiligte Menschen als Ort zum Leben zu erhalten und mit zu gestalten ist mir ein wichtiges Anliegen.

 

Wo sehen Sie die IMM und Herzogsägmühle in 30 Jahren?

Barbara Kittelberger: Im Jahr 2040 hat sich der Wettbewerb auf dem Sozialmarkt verschärft. Die Diakonie in München und Oberbayern setzt auf die Identität, die sich aus dem christlichen Auftrag und Menschenbild herleitet.

Gerne Evangelisch
Das evangelisch-diakonische Profil ist Markenzeichen und wird im engen Schulterschluss mit der Verfassten Kirche gepflegt und gefördert.

Nahe bei den Menschen
Diakonie setzt sich für die Menschen ein, die wirtschaftlich und gesellschaftlich abgehängt sind. Sie ist eine notwendige Stimme gegenüber staatlichen und gesellschaftlichen Kräften, um Integration zu fördern und Inklusion zu leben.

Hilfe zum Leben bis zuletzt
Diakonie in München und Oberbayern setzt sich für alle Menschen am Anfang und Ende des Lebens ein. Der Hilfe im Alter kommt dabei besondere Bedeutung zu. Sie hat eine herausragende Stellung in der Palliativversorgung sowie im Umgang und in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen.

Aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterHerzogsägmühle aktuell / Ausgabe 2/2012