Pressenotizen

Fachtag der Diakonie Herzogsägmühle: Sozialpsychiatrie umdenken

Fachbereichsleitung in neuen Händen – Peter Walter übergibt an Wolfgang Schuppert

Für den Fachbereich Sozialpsychiatrie der Diakonie Herzogsägmühle war es ein Tag mit vielen neuen Impulsen, einem Abschied und der Übergabe von Verantwortung an die nächste Generation.
Beim Fachtag in der gut gefüllten Deckerhalle am Dorfplatz wurde mit Fachleuten, Betroffenen und Angehörigen darüber nachgedacht und diskutiert, wie Sozialpsychiatrie in Zukunft gestaltet werden soll, welche guten Errungenschaften fortgeführt und welche Entwicklungen vorangetrieben werden sollen. Dies alles nicht ausschließlich bei der Diakonie Herzogsägmühle, sondern auch im fachlichen Umfeld, aus dem viele Teilnehmende angereist waren.

"Sozialpsychiatrie war lange Institutionen zentriert aufgebaut. Das alte und neue Paradigma der Personen- und Bedarfszentrierung erfordert Umdenken", betonte Bereichsleiter Wolfgang Schuppert gleich zu Beginn des Fachtages bei seiner Begrüßung. Er führte aus, wie das Umdenken aus seiner Sicht aussehen soll und ging dabei auf die Krisen ein, mit denen die Gesellschaft derzeit konfrontiert ist.
Auch Direktor Wilfried Knorr betonte bei seinem Grußwort, dass es in Krisenzeiten leicht zu einem Rückfall in alte Muster kommen könne, man darum besonders in den derzeitig herausfordernden Zeiten diskutieren, reflektieren und dann erst handeln solle. "Dieser Fachtag trägt genau dazu bei, diskutieren Sie miteinander und kommen Sie zu guten Lösungen", forderte Knorr die Anwesenden auf.

Das taten die Fachtagsbesucherinnen und -besucher dann auch. Nach Referaten über den "Beitrag des Journalismus zur (Ent-)Stigmatisierung psychischer Erkrankungen" von Prof. Dr. Vinzenz Wyss und zu "Aktuellen Entwicklungen der Psychiatrie aus Sicht des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege" von Dr. Daniel Renné aus dem Staatsministerium sowie dem Impulsreferat "Ist ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Betroffenen und Professionellen möglich?", den Professorin Dr. Judith Ommert im digitalen Dialog mit einer Betroffenen anschaulich und eindrucksvoll führte, kamen Mirko Bialas von den Münchner Psychiatrieerfahrenen e.V. und Angelika Herrmann als Angehörige zu Wort. Beide stellten die teilweise schwierige Situation als Mensch im System dar.
Bei der Podiumsdiskussion nach der Mittagspause ging es dann konkret um die Frage "Sozialpsychiatrie: Weiterentwickeln oder Umdenken?". Vertreterinnen der Selbsthilfe, Angehörige, Leistungserbringer und Leistungsträger diskutierten unter Moderation von Claudia Küng miteinander, Teilnehmende aus dem Publikum hatten jederzeit die Möglchkeit, sich an dem interessanten Gespräch zu beteiligen.

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden einen von acht verschiedenen Workshops zum Thema wählen, die die fachliche Entwicklung an verschiedenen Beispielen verdeutlichten. Bevor das Plenum aufgelöst wurde, verabschiedete Direktor Wilfried Knorr noch den langjährigen Fachbereichsleiter Peter Walter. "Dein Herz schlug und schlägt für Menschen, die in ihrem Leben auf therapeutische Hilfe angewiesen sind", betonte Knorr und dankte Walter in einer sehr persönlichen Abschiedsrede für "41 Jahre Herzogsägmühle und alle Deine Beiträge!"

Michael Asam, stellvertretender Bezirkstagspräsident, hatte Peter Walter bei seinem Grußwort am Vormittag schon einige Abschiedsworte mit auf den Weg gegeben. "Es ist schön, einen Menschen zu kennen, der Integration lebt", sagte Asam in seiner Rückschau, wie er selbst Peter Walter kennengelernt hatte. Beim gemeinsamen Volleyball spielen im Verein war es Peter Walter gewesen, der dem aus München zugezogenen Asam bei der Integration auf dem Land unterstützte. "In Peiting und Herzogsägmühle haben wir viel an Integration und Inklusion geschafft, in den vergangenen Jahren. Man muss jedoch ständig daran arbeiten, dass das so bleibt", gab Asam der nachfolgenden Generation in beiden Ortsteilen mit auf den Weg.

Dem scheidenden Peter Walter war es wichtig, den Anwesenden noch ein paar Worte zur Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung mit auf den Weg zu geben. Er selbst hat sich Jahrzehnte lang für echte Teilhabe eingesetzt. "Teilhabe ist Teilhabe an der Gesellschaft, wie sie existiert", so Walters Resümee. Nicht romantischen Vorstellungen von einer Gesellschaft, sondern den real existierenden Voraussetzungen solle man ins Auge sehen. Das sei gerade derzeit, bei schwindenden finanziellen Möglichkeiten auch im sozialen Bereich, wichtig zu erkennen.

Seinem Nachfolger Wolfgang Schuppert, der nun den Fachbereich Sozialpsychiatrie der Diakonie Herzogsägmühle leitet, wünschte Walter alles Gute für die herausfordernden Aufgaben auf dem Weg der Weiterentwicklung und des Umdenkens.