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Gedenkfeier "Schüler erinnern"

Gemeinsames Gedenken an die Opfer und Verfolgten im Nationalsozialismus in Herzogsägmühle

Eine Kooperationsveranstaltung der Diakonie Herzogsägmühle und des Welfen-Gymnasiums Schongau
am 23. Januar 2024, 16 Uhr
am "Ort der Erinnerung", Von-Kahl-Str. 1, Herzogsägmühle

Schülerinnen und Schüler des Welfen-Gymnasiums Schongau leisten am nächsten Dienstag einen großen Beitrag zum nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland (27. Januar). Durch die Verlesung von Namen und die Vorstellung von Kurzbiografien, die sie anhand von Originaldokumenten aus dem Herzogsägmühler Archiv selbst recherchiert haben, geben sie Opfern und Verfolgten der Region ein Gesicht.

Die Gedenkfeier bildet gleichzeitig den Abschluss des wissenschaftlichen Seminars der Oberstufe am Welfen-Gymnasium Schongau mit dem Titel "Der Nationalsozialismus und die Gesundheitspolitik: Erinnerung an die Opfer und Verfolgten" unter der Leitung von Walter Ludwig und Babette Müller-Gräper, Historikerin am Lernort Herzogsägmühle.

Andreas Kurz, Geschäftsführer von Herzogsägmühle, wird in die Veranstaltung einführen. "Wir freuen uns sehr, wenn junge Menschen heute dazu beitragen, den unter der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft zu Tode Gekommenen Gestalt und Namen zu geben. Ich sehe darin eine wichtige Aktion gegen Ausgrenzung und Herabsetzung von geflüchteten und sozial schwachen Menschen, für die sich manche in offensichtlicher Geschichtsvergessenheit heute wieder eine "sozialfürsorgerische Behandlung" und Separation beispielsweise in großen Sammelunterkünften vorstellen können. Ich bedanke mich bei allen Schülern, die sich an der Arbeit gegen das Vergessen beteiligt haben.", so Kurz.

Alle Interessierte und Medienvertreter sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.

 

Herzogsägmühle war von 1934 bis 1945 unter der Trägerschaft des Landesverbandes für Wander- und Heimatdienst ein Instrument einer Gesundheitspolitik des "Ausmerzens" und fungierte auch als "Sammel- und Sichtungsstation" und zentrale Verteilungsstelle innerhalb eines Netzwerkes von Einrichtungen zwischen NS-Terrorapparat, Strafvollzug, Gesundheitsfürsorge und Psychiatrie. Das NS-Regime duldete keine sozialen "Minderleister". Arme Menschen wurden, wenn sie den Fürsorgeeinrichtungen zur Last fielen, als sozial minderwertig eingestuft und verfolgt. Während der elf Jahre des Bestehens des Landesverbandes für Wander- und Heimatdienst durchliefen 10.000 bis 12.000 hilfsbedürftige Jugendliche und Erwachsene die so genannten "arbeitsfürsorgerischen Maßnahmen". Aufgrund eines sehr lückenhaften Nachlasses können dazu nur ungefähre Angaben gemacht werden. Für Herzogsägmühle ist bekannt, dass von diesen Menschen mindestens 430 Männer den Aufenthalt nicht überlebten.


Kontakt:

Dr. Barbara Eschlberger, Referentin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Unternehmenskommunikation
Diakonie Herzogsägmühle gGmbH

Kapellenfeld 5
86971 Peiting-Herzogsägmühle

Telefon: +49 88 61 219-5314

barbara.eschlberger@herzogsaegmuehle.de
www.herzogsaegmuehle.de


Babette Müller-Gräper, Historikerin

Von- Kahl- Str. 4
86971 Peiting

Telefon: 0 88 61 219-4438

babette.mueller.graeper@herzogsaegmuehle.de
www.lernort-herzogsaegmuehle.de


Zum Lernort Herzogsägmühle:
Der Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte von Herzogsägmühle zu erforschen, aufzubereiten und erlebbar zu machen. Der Lernort will einen Beitrag zu aktuellen Debatten um Inklusion und soziale Verantwortung leisten.
Von 2013 bis 2018 konnte dank zweier von der Europäischen Union kofinanzierter LEADER-Projekte die Idee eines Lernorts entwickelt und Herzogsägmühle als regionaler und überregionaler Bildungs- und Kommunikationsort etabliert werden.
Aufbauend auf Zeitzeugeninterviews, Biografiearbeit, Geschichtsforschung, Fachtagungen, Schulprojekten, multimedialen Erlebnisformaten und barrierefreier Kulturarbeit ist ein einzigartiger Lernort in Herzogsägmühle erlebbar.

Zur Kooperation der Diakonie Herzogsägmühle und dem Welfen-Gymnasium Schongau:
In den Jahren 2022 – 2024 findet ein wissenschaftliches Oberseminar im Fach Geschichte unter Leitung von Walter Ludwig und Babette Müller-Gräper statt. Anhand von Originaldokumenten sollen die Schüler:innen Biografien von Opfern der NS-Gesundheitspolitik mit regionalen Fällen recherchieren und erstellen. Die Quellen stammen hierfür von der Diakonie Herzogsägmühle, die in der Zeit des Nationalsozialismus als Zentralwanderhof diente. Hier wurden Menschen, die in der NS-Zeit mit den Zuschreibungen "asozial“ oder „gemeinschaftsfremd" versehen waren, gegen ihren Willen untergebracht und zur Arbeit gezwungen.
Neben beinahe wöchentlichen Seminartreffen am Gymnasium gab es zwei große Workshoptage: Im November 2022 fand das Dialog-Forum in Herzogsägmühle in Kooperation mit der katholischen Stiftungshochschule zum Thema "Geschichte – Erinnern – Handeln" statt. Das Seminar befasste sich gemeinsam mit den Studierenden der Hochschule unter Anleitung von Professorin Dr. Annette Eberle mit der Geschichte von Herzogsägmühle.  
Im März 2023 unternahm das W-Seminar eine Exkursion ins Institut für Zeitgeschichte nach München. Die Schüler*innen erhielten von der stellvertretenden Archivleiterin, Frau Dr. Howell, eine interessante Einführung in das IfZ und in die Archivarbeit. Das Institut für Zeitgeschichte besitzt schriftliche Quellen vom späten 19. Jahrhundert bis heute, unter anderem auch eine Vielzahl an Dokumenten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Für die Schüler:innen besonders spannend war es, einige personenbezogene Akten für ihre Seminararbeiten dort im Original einsehen zu können.
Den Abschluss des W-Seminars im Fach Geschichte bilden 13 Seminararbeiten der Schüler:innen sowie die Gedenkfeier in Herzogsägmühle, initiiert durch das Schülerseminar selbst. Zudem ist eine Abendveranstaltung am 31. Januar 2024 am Welfen Gymnasium in Kooperation mit dem Historischen Verein Schongau geplant, bei der sich drei Oberstufenseminare präsentieren werden.

 Ort der Erinnerung Herzogsägmühle