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Ein Tag voller inklusiver Erfahrungen

Mit der Teilnahme an der bundesweiten Aktion „Schichtwechsel“ brachten die Herzogsägmühler Werkstätten und Unternehmen aus der Region die Inklusion aktiv voran

Seit 2019 tauschen jährlich am 12.10. überall in der Republik Menschen mit und ohne Behinderung für einen Tag ihren Arbeitsplatz. Dieser "Schichtwechsel" ist eine Gelegenheit für Menschen mit Behinderungen, ihre Talente und Interessen am allgemeinen Arbeitsmarkt zu erproben und weiterzuentwickeln. Umgekehrt vermittelt der Tag Unternehmern eine konkretere Vorstellung von der Qualität und Vielfalt der Dienstleistungen und Produkte aus den Werkstätten für behinderte Menschen sowie vom Potential derjenigen, die dort ausgebildet werden und arbeiten.

Dieses Jahr verzeichnete die Aktion mit 3000 Teilnehmern so viel Zuspruch wie noch nie. Zur Teilnahme aufgerufen hatten auch die Herzogsägmühler Werkstätten, die sich auf vielfältige Weise für die Integration der hier arbeitenden Menschen auf dem freien Arbeitsmarkt einsetzen. Drei Unternehmen aus der Region sind 2023 dem Ruf gefolgt.

So konnte beispielsweise Alfred Neuberger, ein kreativer Mitarbeiter der Buchbinderei der Herzogsägmühler Werkstätten, zum Schichtwechsel bei "Buch am Bach" in Peiting antreten. Mit viel Begeisterung und einer großen Portion Neugierde konnte er Inhaberin Stefanie Bertram-Kempf, die als eine der ersten auf den Herzogsägmühler Aufruf zum Schichtwechsel reagiert hatte, über die Schulter schauen. Er sortierte Bücher, setzte Neuerscheinungen gekonnt in Szene und steckte die Kundschaft mit seiner Freude an. "Es war faszinierend, die Arbeit hinter den Kulissen einer Buchhandlung kennenzulernen", erzählte Herr Neuberger strahlend. "Es hat mir gefallen, zu sehen, wie unsere Arbeit im realen Leben Anwendung finden kann." Als Gegenpart zu Herrn Neuberger ergriff Franziska Härtle, Mitarbeiterin bei "Buch am Bach", die Gelegenheit, in den Herzogsägmühler Werkstätten das Buchbinderhandwerk hautnah kennen zu lernen. Buchbinderin und Arbeitstherapeutin Angelika Redmann führte sie in die Grundzüge dieses Handwerks ein. Die beiden Damen sind sich einig, dass aus den Erfahrungen dieses Tages neue bereichernde Kooperationen entstehen werden.

Beim Peitinger Trachtenhaus Stöger durfte Johanna Friesinger, eine Werkstätten-Mitarbeiterin der Gruppe Textil, neues Terrain erkunden: Unter der Anleitung des Juniorchefs Simon Stöger erhielt sie Einblicke in die traditionsreiche Kunst des Lederhosennähens. Dabei offenbarte sich ein besonderer Zufall: das Säcklerhandwerk hatte der Seniorchef des Trachtenhauses seinerzeit bei Frau Frau Friesingers Großmutter gelernt. Um so größer war im Familienunternehmen die Freude, Frau Friesinger willkommen zu heißen. Frau Friesinger selbst nahm viele neue Eindrücke mit in ihre Herzogsägmühler Textilgruppe, konnte ihren Kolleg:innen anschaulich vermitteln, wie viele Stunden Handarbeit in einer guten Lederhose stecken und stolz berichten, dass sie selbst bei der Herstellung einer "Hosn" beteiligt war.

Alexander Lippl, ein talentierter Mitarbeiter im Bereich Druck und Gravur der Herzogsägmühler Werkstätten, verbrachte seinen Tag im Büro von Käse Schilcher in Kinsau. Er unterstützte das Team bei administrativen Aufgaben. Geschäftsführerin Gabriele Fichtl und ihre Kolleg:innen machten ihn vom Bestelleingang über die Rechnungsstellung bis zur Ablage mit den verschiedenen Abläufen einem Vertriebsbüro bekannt. Hier konnte Herr Lippl seine kommunikativen Fähigkeiten prüfen und neue Kompetenzen entwickeln. Er zeigte sich begeistert von der Erfahrung und sieht nun seine berufliche Zukunft zumindest teilweise im Bürobereich. Mit seiner positiven Einstellung, seiner freundlichen Art und seiner gewissenhaften Herangehensweise war Herr Lippl im Team sehr willkommen. Laut Frau Fichtl wird der Austausch mit den Herzogsägmühler Werkstätten auch 2024 fortgesetzt werden.

Der Aktionstag "Schichtwechsel" verdeutlichte auf beeindruckende Weise, wie Menschen mit Handicap ihr Potenzial entfalten können, wenn ihnen Chancen eröffnet werden. Die Teilnehmenden kehrten mit einem erweiterten Blick auf ihre eigene Arbeit in die Werkstätten zurück. Gleichzeitig haben sie einen kleinen Beitrag dazu geleistet, Vorurteile abzubauen und den Gedanken der Teilhabe in der Arbeitswelt zu fördern. Nicht nur die Teilnehmenden, sondern auch die temporären Arbeitgeber zeigten sich von diesem Tag nachhaltig beeindruckt. Er war ein weiterer Schritt in Richtung einer Gesellschaft, in die Menschen mit Beeinträchtigungen ihre Fähigkeiten einbringen können.
Wenn Menschen aller Fähigkeiten und Hintergründe zusammenarbeiten, kann eine Gesellschaft geschaffen werden, die von Vielfalt sowie gegenseitiger Unterstützung geprägt ist und Verständnis und Menschlichkeit fördert.

Am 10. Oktober 2024 wird der nächste "Schichtwechsel" stattfinden. Firmen, die Interesse an einem Mitarbeiteraustausch für diesen Tag haben, können sich jederzeit mit den Werkstätten der Diakonie Herzogsägmühle in Verbindung setzen. Kontakt: werkstaetten@herzogsaegmuehle.de

Johanna Friesinger und Simon Stöger