Ab Juni 2025 wird die "Backstube mit Herz", den Bäckereiladen im MühlenMarkt und auch den Cateringbetrieb Culinarium sowie die Schulen in Herzogsägmühle mit Backwaren versorgen. "Wir freuen uns, dass ein Handwerksbetrieb aus der Region, die Versorgung von Herzogsägmühle mit Brot, frischen Semmeln und anderen Leckereien übernehmen wird", erklärt Gudrun Preß, Leiterin des Geschäftsbereichs Arbeit und Integration der Diakonie Herzogsägmühle.
"Als gemeinwohlorientiertes Unternehmen spielen für uns Regionalität und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle bei unseren Entscheidungen", so Preß. Diese Faktoren hätten für die "Backstube mit Herz" gesprochen. Deren Chef, Tobias Herz, legt Wert auf kurze Lieferwege und die regionale Herkunft seiner Zutaten: "Wir sind noch nicht zu 100 Prozent regional, aber wo immer möglich", betont er. Brot, Kuchen und Semmeln backen er und sein Team zudem in einem nachhaltigen Pellet-Offen.
Die eigene Bäckerei, die das Diakoniedorf und die Kund*innen im MühlenMarkt bisher mit Backwaren versorgt hat, musste die Diakonie Herzogsägmühle leider schließen. „Die Entscheidung ist uns extrem schwergefallen“, so Preß. Die Backstube war zugleich Ausbildungsbetrieb – speziell für junge Menschen mit einem besonderen Förderbedarf. Doch in den vergangenen Jahren haben sich immer weniger Nachwuchskräfte für eine Ausbildung in der Bäckerei gewinnen lassen.
"Ohne Auszubildende lässt sich der Betrieb nicht aufrechterhalten", erklärt Preß. Der Grund: "Die wichtigste Aufgabe im Betrieb war die berufliche Bildung junger Menschen, die in einer regulären Bäckerei nicht zurechtgekommen wären." Ohne diesen Bildungsauftrag kann die Diakonie Herzogsägmühle kein Brot backen, das in Konkurrenz zu anderen Bäckereien verkauft wird.
Das Nachwuchsproblem betrifft nicht nur die geförderte Ausbildung in Herzogsägmühle, sondern spiegelt eine Entwicklung im gesamten Ausbildungsmarkt wider: Auch reguläre Bäckereien haben zunehmend Schwierigkeiten, junge Menschen für den anspruchsvollen Beruf zu gewinnen. Der aktuelle Bäckerei-Monitor der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigt, dass sich die Zahl der Lehrlinge in den vergangenen zehn Jahren beinahe halbiert hat. "Nicht nur wir, auch viele andere Bäckereien tun sich schwer, Lehrlinge zu finden", sagt auch Thomas Zach. Der erfahrene Bäckermeister leitete die Herzogsägmühler Backstube und kennt als stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung die Situation in der Region genau. Nun übernimmt er selbst neue Aufgaben innerhalb der Diakonie.
Umso mehr freut Zach, dass nun ein familiengeführter Handwerksbetrieb die Belieferung des Diakoniedorfs übernimmt. "Handwerksbetriebe backen Brot einfach noch, wie es sich gehört", sagt er.