Bereich Aufnahme, Clearing und Migration – Fallbeispiel 

Flüchtlings- und Integrationsberatung, ein Beratungsdienst für Flüchtlinge, der seit April 2019 im Fachbereich in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Starnberg mit insgesamt 4,5 Stellen angeboten wird. Die 4,5 Stellen sind zurzeit für rund 700 Flüchtlinge erster Ansprechpartner. Die Beratungsthemen sind dabei sehr vielfältig:
Klassische Asylsozialberatung, allgemeine Sozialberatung, Vermittlung zu anderweitigen Beratungsangeboten, erste Rechtsberatung bei Ausländerthemen und vieles mehr.
2020 werden wegen gesetzlicher Vorgaben vermehrt Familien mit kleinen Kindern aus den Ankerzentren ("Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung ") in die Landkreise verlegt. Ist die Aufgabenbewältigung so schon eine große Herausforderung, steigt diese bei Familien um ein Mehrfaches.

Ausschnitt aus einem Neueinzug einer Familie:

  • Eine pakistanische Familie zieht aus einem anderen Ort neu in die Gemeinde, Vater, Mutter und zwei Kinder 15 und 16 Jahre alt. Die Familie ist noch im laufenden Asylverfahren.
  • Diese Familie braucht sehr viel Unterstützung, da zunächst gesundheitliche Probleme bei der Mutter vorliegen und sie sich am neuen Wohnort noch nicht auskennen. 
  • Die Mutter ist schwer krank, sie ist depressiv. Des Weiteren ist eine weitere gesundheitliche Abklärung zwingend erforderlich. Der Vater wirkt mit der gesamten Lage überfordert. Die Kinder müssen sich an die neue Schulsituation gewöhnen.
  • Kontaktaufnahme zum gesetzlichen Betreuer der Mutter mit Schweigepflichtsentbindung. Der gesetzliche Betreuer war für die Familie kaum erreichbar.
  • Absprache bezüglich der gesundheitlichen Abklärung. Kontaktaufnahme zu bisherigen Ärzten, Vermittlung einer neuen Hausärztin vor Ort. Kontaktaufnahme zum behandelnden Psychiater. Zum Teil Begleitung der Mutter zu Fachärzten, zusammen mit Vater und Sohn. Vater zur psychischen Stabilisierung der Mutter, Sohn zum Übersetzen, da die Eltern fast kein Deutsch sprechen. Vermittlung zwischen Hausärztin, Fachärzten und Landratsamt (Krankenscheine). Jedes Mal musste vor Ort in den Facharztpraxen noch etwas per Fax nachgereicht werden, obwohl vorher alles geregelt schien. Ohne Begleitung wäre die Mutter öfters von den Fachärzten abgewiesen worden. Medikamente werden neu eingestellt, die Situation um die Mutter beruhigt sich etwas.
  • Vater besucht einen Deutschkurs. Nach zwei, drei Monaten stellt sich heraus, dass er schwer erkrankt ist und operiert werden muss. Da die Familie noch im Asylverfahren ist, muss vorher alles mit dem Landratsamt abgestimmt werden, da eine Behandlung nur bei gesundheitlicher Notwendigkeit durchgeführt werden darf. Zum Glück ging es dem Vater nach der OP wieder sehr viel besser. Auch vor der Operation nahmen die Familie die Beratung dankbar in Anspruch, da sie vieles erst einmal falsch verstanden hatten und sich im deutschen Gesundheitssystem nicht auskannten.

Ausschnitt aus einer Begleitung einer alleinerziehenden Mutter im ländlichen Raum:

  • Die Familie wohnt in einem abgelegenen Ort, zu dem nur unregelmäßig eine Busverbindung besteht.
  • Die Mutter spricht kaum Deutsch und würde gerne an einem Deutschkurs teilnehmen, dieser ist schon genehmigt.
  • Nachdem auch das jüngere Kind endlich einen Krippenplatz bekommen hatte, hätte sie dennoch vor Öffnung des Kindergartens mit dem Bus zum Deutschkurs aufbrechen müssen. Fehlende Deutschkenntnisse waren unter anderem dafür verantwortlich, dass sie behördliche Schreiben nicht verstand. Daher kam sie regelmäßig zur Beratung oder ich suchte sie in der Unterkunft auf.
  • Dort gab es aber so gut wie kein Internet und das Telefonieren war nicht möglich, was das Arbeiten vor Ort deutlich erschwerte.
  • Ein weiteres Problem bestand darin, dass die Kinder im Kindergarten noch kein Mittagessen bekamen. Daher Kontaktaufnahme zum Kindergarten und Einreichung der fehlenden Unterlagen. Die Erziehe:rinnen waren sehr dankbar, eine:n Ansprechpartner:in in der Beratungsstelle gefunden zu haben.
  • Für die Anträge der Verlängerung der Ausweise suchte sie auch immer wieder Unterstützung.
  • Eines der Kinder bekam außerdem eine heilpädagogische Behandlung.
  • AOK Karte musste neu beantragt werden, weil sie kaputtgegangen war.
  • Auch die BuT musste eingereicht und die Kindergartenplätze verlängert werden.
  • Zu guter Letzt gab es doch noch eine Idee für eine Lösung des Besuches des Deutschkurses. Der Kindergarten schlug vor, eine Mitfahrgelegenheit in der Früh für die Mutter per Aushang im Kindergarten zu suchen.