Das Jahr 2021 - was wir bewegen wollen

Zu Beginn dieses neuen Jahres ist noch nicht absehbar, ob und wann wir in ein halbwegs normales Leben ohne pandemiebedingte Einschränkungen zurückkehren können. Insofern stehen alle Vorhaben noch stärker als zu anderen Zeiten unter dem Vorbehalt "sofern möglich…".

Die äußere Entwicklung setzt dabei immer die am leichtesten zu beschreibenden Akzente: Wir freuen uns auf die Fertigstellung des großen Neubaus an Haus Obland für unsere Suchtkrankenhilfe und auf einen guten Baufortschritt beim Neubau des Förderzentrums für Menschen mit sehr umfassendem Assistenzbedarf. Die Sanierung der durch den Großbrand 2019 schwer beschädigten Licht- und Wachsmanufaktur wird ebenfalls dieses Jahr abgeschlossen werden können.

Nach dem gelungenen Umzug der Gemeinschaftsküche in den Neubau "Culinarium" steht die Überprüfung der Bausubstanz in der früheren Küche an; abhängig vom Ergebnis und dem Umfang eventuell erforderlicher Sanierungen kann mit der Verbesserung der Produktionsbedingungen in der benachbarten Bäckerei und mit der Nutzung weiterer Flächen durch die Herzogsägmühler Werkstätten begonnen werden.

Wir freuen uns auch auf den Beginn der Erweiterung unserer Volksschule durch einen dringend benötigten Bau mit Klassenräumen, Räumen für Ganztagsangebote und für Sport.

Weitere Planungen für die Erschließung einer Fläche für Tiny-Häuser, für den Neubau einer Fahrzeughalle für die Werkfeuerwehr und für die Errichtung einer weiteren Kindertageseinrichtung in Verbindung mit unserem Waldkindergarten sind ins Jahr 2022 verschoben worden.

Das Großprojekt "Kommunaler Wohnbau am Roten Berg West" wird weiter verfolgt, die Realisierung ist aber sicher noch nicht für dieses Jahr abschließend zu erwarten.

Inhaltlich-konzeptionell bearbeiten wir mit dem Träger der Diakonie Herzogsägmühle, der Diakonie München und Oberbayern – Innere Mission München e.V., Geschäftsbereichsübergreifende Themen. Schwerpunkte sind alle Fragen des Personalmanagements (Gewinnung, Aus- und Weiterbildung einschließlich eines neu aufzubauenden Fortbildungsinstituts, Mitarbeiterbindung, Führungskräfteentwicklung), damit zusammenhängende Fragen der Außenkommunikation und der Entwicklung der Arbeitgebermarke, die Arbeit an der Diakonischen Unternehmenskultur und am Themenkomplex Nachhaltigkeit/Gemeinwohlökonomie.

Insbesondere diese gewichtigen Themenkomplexe nehmen auch Einfluss auf die neue Selbstvergewisserung unserer Identität von Herzogsägmühle als Ort und als dezentral wirkendes Sozialunternehmen; dies wird in 2021 auch zur Neubefassung mit dem Leitbild führen, das wir unter dem Titel "Selbstverständnis und Unternehmensziele" immer wieder fortgeschrieben haben, das aber jetzt einer größeren Revision bedarf.

Die neu gefundene Struktur der Zusammenarbeit mit dem Träger der Diakonie Herzogsägmühle im Vorstand, den Beratungs- und Entscheidungsgremien bedarf der Weiterentwicklung und Verstetigung. Dabei richtet sich der Blick auch schon weiter in die Zukunft, wenn in der Leitung von Herzogsägmühle altersgemäß Veränderungen bevorstehen.

Im Jahr 2021 sind Weichenstellungen für einen guten Übergang und eine personenunabhängige tragfähige Unternehmensstruktur zu entwickeln. Der Kooperation mit den Kirchengemeinden im Dekanat, mit dem Diakonischen Werk Oberland und dem Evangelischen Bildungswerk kommt eine größer werdende Bedeutung zu.

Wenn Kirche und Diakonie ihren gesellschaftlichen Stellenwert erhalten oder sogar ausbauen wollen, wird dies nur durch nach außen sichtbares Zusammenwirken in konkreten Projekten gelingen. Ein gutes, bereits erprobtes Beispiel dafür ist unser Engagement in der Flüchtlings- und Migrationsberatung und -hilfe. Zusammen mit dem Landratsamt, dem Diakonischen Werk Oberland, dem Caritasverband Weilheim leisten wir die Ehrenamtskoordination im Landkreis und unterstützen bei der Erarbeitung des Integrationskonzeptes.

Das fast völlig reibungslose Zusammenleben Geflüchteter mit der sonstigen Herzogsägmühler Bevölkerung, die Erfolge bei der Berufsausbildung Geflüchteter und die herausragende integrierende Kraft des gemeinsamen Fußballspielens im SV Herzogsägmühle (der übrigens sportlich noch nie so erfolgreich war, wie jetzt durch den Spielwitz von Migranten!) bestärken uns, auf diesem Weg unbedingt weiter zu gehen.

Das in 2020 abgeschlossene Audit der Gemeinwohlbilanzierung bedarf der umfassenden Nacharbeit; die Vorschläge zur Umsteuerung der Energieversorgung (weg von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien), zum weiteren Ausbau der Beteiligung von Mitarbeitenden und Hilfeberechtigten an sie betreffenden Unternehmensentscheidungen und die Überlegungen zur Refinanzierung regionaler und saisonaler Beschaffung müssen in den nächsten Monaten ausgewertet und priorisiert werden. In diesem Zusammenhang stehen wir mit den Verantwortlichen in der Politik und bei den Kostenträgern in intensivem Austausch, welche Förderung durch den Staat für die Kosten ethisch verantwortlichen, nachhaltigen Wirtschaftens denkbar ist.

Mit dem enormen Anwachsen digitaler Kommunikationsformate ging in den letzten Monaten ein deutliches Nachbessern der dafür erforderlichen Infrastruktur einher. Diese Entwicklung ist absehbar gerade erst am Anfang; erhebliche finanzielle, technische und Know-How-Ressourcen werden in den nächsten Monaten zu investieren sein, um alle Anforderungen der Digitalisierung und sich verändernder Arbeitsabläufe gut bewältigen zu können.

Auch der Sicherheit der IT-Systeme kommt durch eine sich verschärfende Cyberkriminalität große Bedeutung zu. Wir versprechen uns auch in diesem Feld der "digitalen Sozialarbeit" viel von einer auszubauenden Kooperation mit (Fach-) Hochschulen; die Fragen digitaler Teilhabe, künstlicher Intelligenz in klassischen Pflegeeinrichtungen oder Befähigung der Menschen mit Beeinträchtigung, sich neu entwickelnde Formate auch selbst nutzen zu können, gewinnen an Gewicht.

Bei alldem, das haben uns die jetzt 127 Jahre des Arbeitens in und durch Herzogsägmühle gelehrt, sind wir nie allein, sondern immer "zusammen unterwegs" (eines unserer Lieblingslieder hier…): Zusammen mit einem kontinuierlich größer werdenden Freundes- und Spenderkreis, zusammen mit uns wohlgesonnenen Entscheidungsträgern in Kirche, Diakonie, Politik und Gesellschaft, zusammen mit Angehörigen der Hilfeberechtigten und mit Kolleginnen und Kollegen in anderen Unternehmen, in Verbänden und Gremien.

Es ist sehr schön, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, da dazugehören!
Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes 2021

Wilfried Knorr