Menschen in besonderen Lebenslagen - Bericht zum Gesamtfachbereich

…auf was für ein verrücktes Jahr 2020 blicken wir heute zurück? 
Um dafür ein Gefühl zu bekommen, lohnt es sich aus dem Eingangstext des letztjährigen Jahresrückblicks zu zitieren: 
Ich schrieb an dieser Stelle: "125 Jahre Herzogsägmühle, 125 Jahre soziale Arbeit in und um Herzogsägmühle – erging es Ihnen in diesem 'Feierjahr' auch so, dass Sie manchmal den Überblick über all die Feierlichkeiten und Festlichkeiten, Ausstellungen, Fachtage, Baumpflanz-Aktionen, Konzerte, Reden und Eröffnungen verloren haben? Was für ein dichtes und inspirierendes Jubiläumsjahr!" 
Können Sie sich diese Stimmung aktuell überhaupt noch vorstellen? Wie flüchtig doch alles ist!

Wir hatten für die Diakonie Herzogsägmühle das Jahr 2020 unter das Motto "Perspektiven verändern" gestellt. Bei der Entscheidung für dieses Motto im Vorjahr hätte sicher niemand gedacht, in welcher Tiefe und Grundsätzlichkeit wir gezwungen sein würden, "Perspektiven verändern" zu müssen. Bisher Undenkbares, wie Allgemeinverfügungen, Ausgangsbeschränkungen, für Besucher:innen geschlossene Heime, Maskenzwang, nahezu keine Veranstaltungen mehr – keine Ausflüge, Feste oder Feiern – all das galt es in unsere Lebens- und Arbeitsrealitäten einzubauen - damit möglichst konstruktiv umzugehen. Die Folge war ein kräftezehrendes immer wieder aufgezwungenes Umstellen unserer Arbeitsabläufe, der Verzicht auf Vertrautes im Arbeitsalltag, die Konzentration auf die ultimative Sorge um und den Schutz für unsere Hilfeberechtigten als besonders vulnerable Gruppe im Infektionsgeschehen der Covid19-Pandemie. 
An dieser Stelle möchte ich Ihnen allen meine größte Hochachtung ausdrücken, wie in den vielen unterschiedlichen Arbeitsbereichen des Fachbereichs mit größter Selbstverständlichkeit und Zugewandtheit die völlig neuen Realitäten gemeistert wurden. 
Zwei Infektionswellen haben wir so zusammen inzwischen geschafft. Ein Silberstreif am Horizont durch einen inzwischen wesentlich besser gelingenden Umgang mit der Pandemie sowie die Ankunft möglicher Impfstoffe lassen uns zuversichtlich in das Jahr 2021 blicken.

Aber - es war nicht alles Stillstand, bzw. Reagieren auf die Pandemievorgaben. Wir haben in einem auch wirtschaftlich sehr fordernden Jahr wesentliche Inhalte unseres Veränderungsprozesses im Fachbereich vorangebracht: 

Im Bereich der Wohnungslosenhilfe haben wir die 2019 angekündigte langsame Umsteuerung der Platzzahlen aus dem Dorf Herzogsägmühle in die Regionen weiter umsetzten können, insbesondere mit der Eröffnung des stationären Wohnangebotes in Biessenhofen (Landkreis OAL) sowie den neuen "Aufsuchenden Hilfen" im Landkreis Fürstenfeldbruck. Dazu gehört auch die leichte Veränderung der Angebotsstruktur im Dorf Herzogsägmühle - hin zu weniger Übergangs- und mehr Langzeitplätzen. Dass die Umsteuerung von Wohnplätzen aus Herzogsägmühle in die Regionen bereits 2020 zu ersten Entscheidungen für die Konzentration der Hilfeangebote auf weniger Abteilungen im Dorf Herzogsägmühle führen würde, und damit die Auflösung der Abteilung Appartementhäuser im Raum steht, war so schnell nicht zu erwarten gewesen. Dieser Schritt ist letztlich eine Folge der Corona Krise und der damit verbundenen temporären Belegungsrückgänge, die wir in diesem Jahr erfahren mussten. Auch der Schritt, dass wir die Übergangshilfen in Herzogsägmühle auf nur noch zwei Abteilungen konzentrieren, und so eine Trennung zwischen Abteilungen für Übergangshilfe und Abteilungen für Langzeithilfe vornehmen, war schneller zu realisieren als ursprünglich geplant. Corona hat manche Entwicklungen auch unvermutet beschleunigt.

Im Bereich des Integrativen Pflegeheims wurden mit enormem Einsatz und vorbildlich die Herausforderungen der Corona Krise gemeistert. Mit dem klaren Ziel des größtmöglichen Schutzes unserer Hilfeberechtigten in den Pflegebereichen wurden alle internen und externen Anforderungen umgesetzt - letztlich haben die Kolleg:innen im IPH es bis heute geschafft, dass sich keine Infektionsketten im Haus ausbreiten und trotz schwierigster Rahmenbedingungen alle Quarantäneanforderungen für und mit den Hilfeberechtigten erträglich gestaltet werden konnten. 
Was die Weiterentwicklung der Pflege in Herzogsägmühle 2025 betrifft, so konnten wir wie geplant im Sommer zu ersten Entscheidungen kommen: Wir werden die Pflege im Dorf in den nächsten Jahren zusammen mit den Kolleg:innen der "Hilfe im Alter" im Rahmen unseres Trägervereins, der Diakonie München und Oberbayern e.V., umsetzen. Erste Entscheidungen sind auch gefallen für konzeptionelle Grundlagen des zukünftigen Pflegezentrums Herzogsägmühle und eine technische Machbarkeitsstudie wurde beauftragt, die ein Architekturbüro zurzeit entwickelt.

Im Bereich der Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration haben wir wie beabsichtigt die vielfältigen Projektangebote langsam zurückgefahren und bauen die langfristige Hilfe in den Landkreisen Landsberg am Lech, Starnberg und Weilheim-Schongau vermehrt auf der Flüchtlings- und Integrationsberatung auf. Noch läuft ein bunter Strauß an Hilfsprojekten; abgeschlossen wurde das erfolgreiche Projekt "Mensch.Macht.Heimat" mit dem Ziel der öffentlichen Thematisierung von Chancen der Migration für unser Land; neu gestartet ist das beeindruckende Projekt "NeNa LaWei (Neue Nachbarinnen in Landsberg und Weilheim)", das in vielfältigen Angeboten insbesondere die Förderung von geflüchteten Frauen zum Ziel hat.

Wir konnten außerdem das bisher im Fachbereich angegliederte Referat "Projekte, Gremien, Internationales" neu strukturieren und endlich beim übergreifenden Vorstand für Zentrale Dienste bei unserem Trägerverein angliedern. Mit dem Ruhestand von Ulrich Koch und dem Übergang von Ingo Massel in die Referatsleitung verabschieden wir uns von zwei lieben Kollegen, die meist im Hintergrund sehr maßgebliche Strukturentwicklungen für den Fachbereich und die gesamte Diakonie Herzogsägmühle vorangebracht haben. 

Mit großer Freude und Stolz darüber, was Sie an allen Stellen unseres Fachbereichs im vergangenen Jahr ermöglicht haben und mit einem eher zuversichtlichen Blick in ein Jahr 2021, das sich in seiner Gesamtheit wieder viel "normaler" anfühlen werden wird, wünsche ich Ihnen Allen und Ihren Lieben daheim ein wie auch immer gestaltetes kontaktbeschränktes aber trotz allem gesegnetes und frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr.    


Andreas Kurz, Fachbereichsleitung