Integratives Pflegeheim

Ein turbulentes Jahr geht zu Ende, welches, wie überall, geprägt war und ist von der Corona Pandemie. Corona stellt uns alle vor große Herausforderungen: sei es die Trennung zwischen beiden Einrichtungen, um Infektionsrisiken zu minimieren, die Einhaltung der Hygieneregeln, das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, und ständige Anpassung an neue gesetzliche Anforderungen. Unsere Bewohner:innen konnten beispielsweise seit März nicht mehr gemeinsam im Speisesaal essen, soziale Betreuung kann nur in Kleinstgruppen bzw. als Einzelbetreuung erfolgen. Trotz aller Einschränkungen brachte die Notwendigkeit alle Aufgaben bewältigen zu können ein noch engeres "Zusammenrücken" aller Arbeitsbereiche mit sich. Davon profitieren neben den Mitarbeitenden auch die Bewohner:innen. Sie genießen teilweise die ganzheitliche Zuwendung aller Mitarbeiter:innen, die nicht mehr nur ihren eigenen Arbeitsbereich im Fokus haben.

Als mit dem ersten Lock down Besuchsverbote für Pflegeeinrichtungen ausgesprochen wurden, galt unsere Sorge der massiven sozialen Isolation der Bewohner:innen. Dennoch ärgert es uns, wenn wir in der Presse lesen, dass viele Menschen einsam in den Pflegeheimen sterben, ohne ihre Angehörigen noch einmal zu sehen. Von Beginn an haben wir den Menschen in unserem Haus einen regelmäßigen Kontakt zu ihren Angehörigen ermöglicht. Sei es per Telefon, per WhatsApp oder Skype. Auch ein "Treffen" an der geschlossenen Glastür war möglich. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass einigen Menschen der direkte Kontakt zu ihren Liebsten fehlte, und sie teilweise traurig machte. Das führte dazu, dass wir mit einem klaren Hygienekonzept Besuche begleiten, wobei aufgrund der Schutzkleidung (Kittel und FFP2 Maske) auch eine körperliche Kontaktaufnahme möglich ist. 

Als ein Highlight in den schwierigen Zeiten konnten die Bewohner:innen die Begleitung durch Mitarbeitende erleben, welche zur Unterstützung der sozialen Betreuung für die Menschen hier eingesetzt waren. Das war eine tolle Bereicherung!

Wir möchten hier gerne unsere Bewohner:innen selbst zu Wort kommen lassen, deshalb ein paar Auszüge aus Gesprächen über die Corona Situation:

"Frau H., wie geht es Ihnen mit der Situation?"
                                                                                              
 "…die Besuche und Telefonate sind in Ordnung, man hat ein bisschen Kontakt nach zu Hause, das frühere zu Hause, sonst würde man ja vereinsamen!"

"Ist das Essen auf dem Zimmer zur Einhaltung der Abstände für sie in Ordnung?"

"Essen auf dem Zimmer ist in Ordnung. Miteinander spielen und Unterhaltung ist in Ordnung, mir fehlt halt eine Freundin. Der Trommler fehlt uns und die Puppenmutti. Musik im Haus war schön, wie beim Weißwurstessen und Nachmittagskaffee mit Torte. Corona ist die Wüste, weil wir kämpfen und nicht das Handtuch schmeißen, schaffen wir das Corona Virus, das ganze Personal ist sehr nett, schön, dass ihr Zeit habt für uns, man sitzt in der Andacht und bei den Kleingruppen als hätte man sich gestritten."

Herr R. und sein Bruder bei einer Videotelefonie:

"Wie sehen Sie die Besuchssituation?"

"Besuche sind halt mal eine Gefährdung für die Bewohner:innen. Klasse, das wir uns trotzdem sehen können. Ob ich jetzt vor meinem Bruder sitze oder wir uns so sehen können."

Hr. R.: "Das sehe ich auch so" und lächelt dabei.

"Hr. F. wie geht es ihnen mit der Corona Situation?"

"Langsam aber allmählich steht mir das Corona bis hier oben. Fühle mich im Haus hier gut aufgehoben. War Montag, Mittwoch und Freitag immer im Cafe, jetzt hat´s wieder zu. Mir fehlt so aber nichts. Das Corona wird schon noch eine Zeit bleiben."


Die derzeit wichtigsten Fragen der Bewohner:innen:
wird es eine Weihnachtsfeier geben?
Ja, wir werden ganz bestimmt eine der Lage angepasste Möglichkeit finden, mit den Menschen in unserem Haus Weihnachten zu gestalten!