Übergang vom Projekt zum Regelangebot

Aus dem Projekt Perspektive Plus wird das Nischen-Wohnangebot Perspektive Plus

Nach langer Vorbereitung und vielen Besprechungen mit Kolleg:innenen aus unserem Fachbereich und dem Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien startet am 01.01.2019 das Gemeinschaftsprojekt Perspektive Plus. Am 30.09.2020 wurde das Projekt geplant beendet und das Angebot Perspektive Plus wird als bestehendes Angebot der beiden Fachbereiche fortgeführt.

Perspektive-Plus war ein ermutigendes Projekt. Es hat gezeigt, dass nach anfänglichen Bedenken und Berührungsängsten ein fachbereichsübergreifendes "Gemeinsames" entstehen kann. Es war viel Pioniergeist in den beiden Leitungsebenen der Fachbereiche und in der Projekt-Planungsgruppe vorhanden.
 
Der Teamstart mit den beiden Kolleg:innen des Fachbereiches Kinder, Jugendliche und Familien, die maßgeblich auch an der Projekt-Planungsgruppe teilnahmen, erleichterte die beginnende Erprobungsphase. Den Mitgliedern des "Startteams" war klar, dass anfänglich viel improvisiert werden musste und es fast nichts Vorgegebenes gab. Es war damit ein äußerst kreativer Prozess, einen neuen Weg in einer fachbereichsübergreifenden Zusammenarbeit zu beschreiten.
 
Das gemeinsame Erarbeiten und der stets sehr konstruktive Austausch untereinander half dabei, als "Neulinge" auch "Fehler" machen zu dürfen, wie auch die stetige Bereitschaft, diese "Fehler" unmittelbar zu korrigieren - dies half über viele Unsicherheiten hinweg.  Diese Haltung prägte nachhaltig positiv auch den Teamspirit für die weiteren Kolleg:innen, die im späteren Verlauf zum Team hinzukamen. 

Das sehr wertschätzende und durchgängig verfügbare Coaching des Fachdienstes Straffälligenhilfe und Sozialkompetenz bezüglich alltäglichen Fragen und Aufgabenstellungen eines funktionierenden Casemanagements war stets ein sicherer Anker, ohne den das Startteam sicherlich in größere Schwierigkeiten mit den bestehenden Strukturen gekommen wäre. Dieses begleitende Coaching war ein sehr guter Lotsendienst.
 
Fachlich gewonnen hat das Projekt Perspektive Plus zusätzlich durch die Beteiligung des Fachdienstes Aufnahme. Der Fachdienst hat nicht nur Casemanagementaufgaben übernommen, sondern durch das übergreifende, für Perspektive-Plus sehr wertvolle Fachwissen, die gesamte Zusammenarbeit maßgeblich bereichert. So war es nur aufgrund der hohen Fachlichkeit des Fachdienstes (Anträge und Regelungen mit dem Bezirk und mehr) möglich, auch schwierige Aufgabenstellungen fach- und fristgerecht anzugehen. Vor allem war es nur durch die enge Verzahnung möglich, Menschen aufzunehmen, die den Anforderungen des Wohnangebotes gewachsen sind.

Eine fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit in einem gemeinsamen, dauerhaft bestehenden Team bietet anhand der bisher gemachten Erfahrungen große Chancen. Es integriert zum einen das bestehende Fachwissen aus beiden Fachbereichen und ermöglicht es somit noch individuellere Hilfeangebote "zu stricken", da Blickwinkel aus den Bereichen Jugendhilfe und Erwachsenhilfe gegen-/miteinander abgewägt werden können. Die wöchentlichen, intensiven Fallbesprechungen nahmen daher einen sehr großen Raum ein, führten dann aber auch immer dazu, dass gemeinsame Lösungen gefunden werden konnten. Zum anderen verbindet und stärkt es aber auch das Selbstbild der Diakonie Herzogsägmühle, ein gemeinschaftliches und gemeinsames Ansinnen zu haben und nicht ein Konglomerat aus unterschiedlichen Hilfeangeboten zu sein. Institutionelle Schnittstellenproblematiken können somit aufgehoben werden. Ein größeres "Wir", das den institutionsbedingten beziehungsweise fachbereichsbegrenzenden Tellerrand in der Praxis auflöst, kann entstehen.

Noch stehen wir am Anfang eines sicherlich langen Weges. Es ist noch viel gemeinsame Arbeit zu leisten. Erforderlich wird ein nachhaltiges und ein gemeinsames Auftreten sein. Aber auch viel Geduld und Durchhaltevermögen wird gefragt sein, um unterschiedliche Haltungen auszuhalten beziehungsweise zu akzeptieren und unterschiedliche Prozesse oder Vorgaben anzupassen. 
Was sich jedoch schon zeigt ist, dass dieser "individuelle Housingfirst Ansatz" erfolgreich sein kann.