Jahresbericht 2021 Fachbereich Kinder, Jugendliche und Familien

Das Jahr 2021 – als was wird es wohl in unsere Geschichtserzählung eingehen? Ein wellenförmiges Jahr? Sie haben sich jedenfalls fortgesetzt, diese Wellen. Sie landen mal mehr und mal weniger heftig an und berühren uns, in ganz unterschiedlicher Weise.

Wir möchten, wie auch schon im Vorjahr, eine Person zu Wort kommen lassen, um aus unserem Fachbereich zu berichten. Dieses Mal ist es unser Hausmeister, Herr Steinbach, der einen Einblick gewähren möchte.

S.E.: Herr Steinbach, wie sind Sie als Maler- und Lackierer auf die Idee gekommen, in der Jugendhilfe zu arbeiten?

P.S.: Es war wohl ein ungewöhnlicher Weg. Ich war nicht zufrieden mit meiner Arbeitsstelle. Mein Privatleben war auf ein Minimum reduziert, weil ich viel auf Montage war. Meine beste Freundin machte mich dann auf die Jobbörse in Peißenberg aufmerksam. Ich hatte keine konkrete Idee, wie es dort wohl abgeht, ging aber hin und meldete mich dort sogar zum "Job-Speeddating" an. Ich habe mich mit einigen Anbietern unterhalten. Herzogsägmühle besetzte einen Stand und da bin ich Ihnen, Frau Eichberg, über den Weg gelaufen.

S.E.: Daran erinnere ich mich gut. Sie haben in dem Gespräch sehr deutlich gemacht, dass sie unbedingt eine neue Arbeit suchen und nicht locker gelassen!

P.S: Ja, stimmt. Sie meinten, Initiativbewerbungen seien in Herzogsägmühle immer willkommen. Das habe ich ernst genommen und stand 2 Tage später mit meiner Bewerbung in Ihrem Büro. Ja und dann konnte ich tatsächlich ein paar Wochen später in der Jugendhilfe anfangen. Ich hatte zwar durch die Jobbörse auch 2 andere Angebote erhalten, aber die Mitarbeit in Herzogsägmühle hat mich am meisten "gereizt". Im Nachhinein denke ich, dass war wie "Bestimmung", dass ich zu dieser Jobbörse gegangen bin und so. Jetzt bin ich schon bald 2 Jahre hier.

S.E.: Als Hausmeister in der Jugendhilfe kommen Sie viel rum. Wie viele Häuser und Appartements haben Sie inzwischen gesehen und was denken Sie über die Immobilien?

P.S.: Alle, würde ich sagen. Der Zustand? Naja, es sind teilweise echt "alte Burgen", halt bewohnte Häuser, schon gemütlich eingerichtet. Und es gibt immer viel zu tun.

S.E.: Was geht in der Jugendhilfe am meisten kaputt, oder welches Werkzeug brauchen Sie am häufigsten?

P.S.: Nach meiner Erfahrung: Türen und Wände! Da gibt es immer deutliche Gebrauchsspuren. Klar, weißeln muss auch immer wieder sein. Meine wichtigsten Werkzeuge sind meine Hände, der Akkuschrauber und Malerwerkzeug.

S.E.: Wie erleben Sie die Jugendlichen, die Sie in den Wohngruppen antreffen?

P.S.: Die sind mir gegenüber immer freundlich, offen und auch neugierig. Es ist leicht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ich finde es super nett, dass die Jugendlichen mich dann auch auf dem Campus grüßen, wenn wir uns über den Weg laufen. Ist so ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

S.E.: Was beeindruckt/berührt Sie am meisten, wenn Sie auf die Wohngruppen blicken?

P.S.: Mich beeindruckt, wenn Jugendliche ihre Geschichten erzählen - da ist so eine Offenheit. Ich frage gar nicht mal nach. Manchmal denke ich: "boah" - krasse Lebensgeschichte! Ich habe ja "Straßenabitur", wie ich das nenne. Manche Geschichten kenne ich aus eigener Erfahrung. Ich habe immer zu meiner Mutter gesagt: "Mama, Du hast 'nen Sohn großgezogen, der anständig ist, der sich in Gebäuden/Privaträumen zu bewegen weiß (mit Respekt im geschützten Raum der jungen Leute, mit persönlicher Vorsicht, meine ich), der einen Beruf gelernt hat, der nichts mit der Polizei zu tun hatte - für alles andere hat der Vater gefehlt!" Das mag ich den Jugendlichen schon gern auch mitgeben.
Wir sind dafür verantwortlich, was wir aus unseren Möglichkeiten machen, auch wenn manches suboptimal gelaufen ist.

Bei den Kollegen ist es die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit - wirkt auf mich gut. Manche Teams sind nicht so eng miteinander, andere haben auch private Freundschaften untereinander - das spürt man schon, es ist herzlicher, man schaut vielleicht noch mehr auf Kollegen.

S.E.: Haben Sie das Gefühl, das Sie durch Ihre Arbeit und Ihren Einsatz was erreichen können?

P.S.: Manchmal ja, manchmal nein. Den Standard in den WGs konnte ich in den letzten 2 Jahren schon verbessern, es ist nicht nur Flickenschusterei. Man könnte viel mehr Sachen machen, die nicht in meiner Macht stehen und für die die Mittel knapp sind. Leider.

S.E.: Was ist die wichtigste Bestätigung Ihrer Arbeit?

P.S.: Eine sauber gestrichene Wand oder die Rückmeldungen der Kollegen sind schon gut. Ansonsten lerne ich: manchmal wächst man mit seinen Aufgaben.

S.E.: Sie sind neuer Feuerwehrmann bei der Werksfeuerwehr. Was hat Sie dazu bewogen, dort mitzuarbeiten?

P.S.: Ich möchte mehr soziale Kontakte im Unternehmen, suche die Gemeinschaft. Mein Ziel ist, besser vernetzt zu sein in der Firma. Ich bin einfach ein sozialer Mensch, helfe gern. Ich will nicht wegschauen, sondern machen, "helfen statt gaffen"!

S.E.: Würden Sie sich wieder für diesen Arbeitsplatz in Herzogsägmühle entscheiden?

P.S.: Auf jeden Fall! Die Jugendhilfe ist ein Haufen bunter und interessanter Menschen. Alle kommen ganz gut miteinander klar. Das gefällt mir einfach.

S.E.: Und Sie haben unserem Haufen noch ein paar Farben hinzugefügt. Danke dafür und für dieses Interview!