Das Jahr 2021 – was wir bewegt haben

Die Fertigstellung des großen Neubaus an Haus Obland für unsere Suchtkrankenhilfe erfüllt uns mit großer Freude. Das auf Dauer untragbare Brandrisiko in dem deutlich über 100 Jahre alten Altbau ist nun abgewendet und die Menschen mit Suchterkrankung finden zeitgemäße, hochwertige Appartements vor. Ebenso erfreulich sind der nahezu abgeschlossene Neubau des Förderzentrums für Menschen mit sehr umfassendem Assistenzbedarf sowie die weit vorangeschrittene Sanierung der durch den Großbrand 2019 schwer beschädigten Licht- & Wachsmanufaktur.

Wir freuen uns auch über den planmäßigen Baufortschritt in der Erweiterung unserer Volksschule durch einen dringend benötigten Bau mit Klassenräumen, Räumen für Ganztagsangebote und für Sport.

Die neu gefundene Struktur der Zusammenarbeit mit dem Träger der Diakonie Herzogsägmühle, der Diakonie München und Oberbayern, fand im Vorstand ihren sichtbarsten Ausdruck: Als erste Frau überhaupt in der Geschichte unseres Unternehmens ist Andrea Betz als sozialpolitische Vorständin im Mai 2021 berufen worden. Sie ist seitdem neben der Leitung der Bezirksstelle in München vor allem als sozialpolitisch tätige und fachlich für viele Angebote verantwortliche Führungskraft tätig und komplettiert den früher dreiköpfigen Vorstand.

Auch der Aufsichtsrat des Trägers wurde in 2021 neu gewählt. Bestätigt wurden neben den beiden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Andreas Bornmüller und Peter Gleue, auch die bisherigen Aufsichtsräte, Prof. Dr. Christopher Herzog, Hans Otto Kraus und Dr. Katrin Kugler. Neu gewählt wurden Marlene Altenmüller, Dr. Isabel Gocke und Adelheid Meyer. Zusammen mit den Vertretern der Mitarbeitenden und den Dekanen aus München und Weilheim ist damit das ehrenamtlich tätige Gremium wieder komplett. (Siehe dazu auch "Gruß aus dem Aufsichtsrat" in diesem Jahresbericht.)

Der Prozess "Profil und Konzentration" in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern, mit einem darin enthaltenen erheblichen Umbau des Landesstellenplans, ist auch für das Dekanat Weilheim und damit für die Region mit den meisten Angeboten der Diakonie Herzogsägmühle von großer Bedeutung. In einem zeit- und arbeitsintensiven Prozess wurden die Möglichkeiten einer künftig stärkeren Verzahnung kirchlicher und diakonischer Strukturen und Leistungsangebote beraten. Der Leitgedanke "Anders statt Weniger" soll den richtigen Akzent setzen: Auch wenn Kirchensteuereinnahmen absehbar sinken werden, soll für die Menschen Kirche und Diakonie in besonderer Weise Beratung, Lebensqualität und seelsorgerliche Begleitung anbieten können. Mitarbeitende der Diakonie sollen sich künftig noch stärker auch als kirchliche Mitarbeitende definieren, kirchliche Räume für ihre Angebote nutzen können und in Planungen zur Ausgestaltung der Sozialräume besser miteinander kooperieren.

Für das in den Folgejahren erforderliche, neu zu bauende Pflegezentrum, wurden alle erforderlichen Vorarbeiten abgeschlossen: Neben umfangreichen Arbeitsgruppen, zum Beispiel zu den Themen "Konzeptentwicklung", "Personalgewinnung", "Diakonisches Profil" oder "Bauanforderungen", wurde im 2. Halbjahr ein großer Architektenwettbewerb vorbereitet und durchgeführt. Aus 13 durchaus unterschiedlichen Projektentwürfen wurden von einer Jury drei besonders auszeichnungswürdige Konzepte herausgehoben, deren Realisierbarkeit nun in den nächsten Planungsgesprächen (auch und vor allem hinsichtlich der Erstellungskosten und ihrer Finanzierbarkeit) geprüft werden muss.

Im Bereich Arbeit und Integration erfolgten Veränderungen in der Leitungsstruktur: Markus Sinn übernahm von Daniel Löscher, der für das gesamte Unternehmen in den Unterstützungsbereich "Personal und Recht" wechselte, die Leitung der Herzogsägmühler Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Die früher bereits im Fachbereich Arbeit und Integration tätige Leitungskraft Josef Schuh folgte ihm als Fachbereichsleiter nach; in der i+s Pfaffenwinkel wurde Prokurist Felix Rexer neuer Geschäftsführer.

Das in 2020 abgeschlossene Audit der Gemeinwohlbilanzierung bedarf noch immer der umfassenden Nacharbeit; Corona machte uns im Zeitplan hier leider einen deutlichen Strich durch die Rechnung, so dass die Arbeitsgruppen zur Erarbeitung von konkreten Vorschlägen zur Umsetzung der Auditergebnisse noch nicht gestartet werden konnten. Der Vorstoß gegenüber den Verantwortlichen in der Politik und bei den Kostenträgern, wie künftig in der Umgestaltung der Sozialgesetzgebung der Aspekt der Nachhaltigkeit stärkere Berücksichtigung finden kann, und welche Förderung durch den Staat für die Kosten ethisch verantwortlichen, nachhaltigen Wirtschaftens denkbar ist, zeigte durchaus erfreuliche erste Wirkungen, die mit der neugewählten Bundesregierung nun verstetigt werden müssen.

Intensiv haben wir uns mit der Geschichte von Herzogsägmühle in der Zeit des Nationalsozialismus befasst. Ausgehend von der Forschung, die zum 125. Jubiläum im Jahr 2019 zur Eröffnung eines Gedenkortes führten, wurden von Professor Annette Eberle und Dr. Uwe Kaminsky die Rolle und das Wirken des damaligen Direktors, Diakon Friedrich Goller, umfassend untersucht. Leitfrage war, inwieweit Herr Goller persönlich für Deportationen und spätere Todesfälle von Herzogsägmühler Hilfeberechtigten verantwortlich gemacht werden kann. Von diesen historischen Forschungen und einer "szenischen Lesung" mit anschließender Podiumsdiskussion am Buß- und Bettag versprachen wir uns deutliche Hinweise für die anstehende Entscheidung, ob das nach Friedrich Goller benannte ehemalige Lehrlingsheim in unserem Ort seinen Namen behalten kann.

Eine umfangreiche, detaillierte Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit haben wir abgeschlossen. Neben der großen Freude über grandiose Werte hinsichtlich der Verbundenheit mit dem Unternehmen und der Arbeitsmotivation haben wir auch deutliche Hinweise auf Verbesserungspotentiale erhalten, denen wir im kommenden Jahr mit den Führungsverantwortlichen und Mitarbeitenden nachgehen werden.

Sehr erfreulich war die Entwicklung im Spendenaufkommen. Mit fast 25% Steigerung erreichten die Zuwendungen von Privat und von Stiftungen – auch zur Kinderhilfe Oberland sowie der i+s Pfaffenwinkel – sowie Zustiftungen in den Kapitalstock der Förderstiftung Herzogsägmühle einen neuen Rekordwert. Dafür sind wir sehr dankbar! Und das bestärkt uns in unseren Anstrengungen für eine liebens- und lebenswerte Diakonie Herzogsägmühle auch im neuen Jahr nicht nachzulassen.

Mit den besten Wünschen für ein gesegnetes 2022

Wilfried Knorr