Partnerschaften

22 Jahre ungarisch-deutsche Partnerschaft in der evangelischen Wohnungslosenhilfe

Tízéves magyar-német partnerkapcsolat az evangélikus hajléktalanszolgálatban

Oltalom Szeretetszolgálat in Nyíregyháza, Ungarn und Herzogsägmühle in Bayern

 

Nyíregyháza - der Standort von Oltalom Szeretetszolgálat

Nyíregyháza ist die Kreisstadt des ungarischen Landkreises Szabolcs - Szatmár - Bereg im Nordosten Ungarns. Sie liegt 230 km von der Hauptstadt Budapest entfernt. Die Stadt hat etwa 116.000 Einwohner und ist damit die siebtgrößte Stadt des Landes. Sie liegt  in der Nähe des Grenzdreiecks zur Ukraine, der Slowakei und zu Rumänien.

Die Partnerschaft zwischen Herzogsägmühle und Oltalom Szeretetszolgálat

Die langjährige Geschichte der Partnerschaft zwischen Herzogsägmühle und Oltalom Szeretetszolgálat hat mit einem Besuch angefangen:
Im Jahr 2000 hatte der evangelische Pfarrer Géza Laborczi aus Nyíregyháza eine Anfrage an das Diakonische Werk Bayern gestellt, ob eine Zusammenarbeit im Rahmen eines Projektmodells für den Aufbau einer Wohnungslosenhilfeeinrichtung möglich wäre. Er selbst hatte gerade mit Kollegen unter sehr schwierigen Bedingungen in Nyíregyháza ein Heim für obdachlose Menschen errichtet. Über das Diakonische Werk Bayern wurde die Anfrage nach Herzogsägmühle weitergeleitet und fand in dem damaligen Fachbereichsleiter für die Wohnungslosenhilfe, Rainer Endisch, aufmerksames Interesse. Seitdem gibt es eine enge Partnerschaft zwischen dem Fachbereich Menschen in besonderen Lebenslagen in Herzogsägmühle und der Einrichtung Oltalom Szeretetszolgálat in Nyíregyháza.

Oltalom hatte damals drei Standorte. In einem Gebäude waren die Wärmestube, die für warmes Essen sorgende Volksküche und die Arztpraxis untergebracht. An einem anderen Ort war das Nachtasyl und das Übergangsheim tätig sowie an einer dritten Stelle das Mutter-Kind-Heim.
Praktisch begonnen hat die Partnerschaft im Jahr 2001, als die Mitarbeiter von Oltalom eine Möglichkeit hatten, nach Deutschland zu kommen und ihre im Jahr 2000 gegründete Einrichtung in Herzogsägmühle vorzustellen. Gleichzeitig hatten die ungarischen Kolleginnen und Kollegen aber auch die Gelegenheit, die Herzogsägmühler Maßnahmeangebote und Organisationsformen der hiesigen Wohnungslosenhilfe kennenzulernen. Sie erfuhren dabei einiges über die Wichtigkeit von Vernetzung der verschiedenen Angebote untereinander und nahmen neue Eindrücke sowie Erkenntnisse für die Entwicklung der weiteren Maßnahmen und Angebote in Nyìregyháza mit.

Noch im gleichen Jahr kam es zu einem Anschlussbesuch der deutschen Kollegen in Nyíregyháza, wo vor Ort die Bemühungen der ungarischen Kollegen im Bereich der Wohnungslosenhilfe kennengelernt werden konnten. Die Mitarbeiter von Herzogsägmühle nahmen die Aufbauarbeit der Kollegen aus Ungarn mit großem Interesse wahr.

Nach diesem ersten Austausch äußerten die Kollegen von Oltalom den Wunsch, in Herzogsägmühle eine längere Hospitation zu absolvieren. So kam eine Arbeitsgruppe im Jahr 2002 nach Herzogsägmühle und konnte viele praktische Erfahrungen in der bayerischen Wohnungslosenhilfe sammeln. Im Jahr 2003 konnte Oltalom Szeretetszolgálat im Rahmen eines Modellversuchs das Übergangswohnheim in ein neues Gebäude umziehen lassen. Kurz danach wurde das Nachtasyl von 25 auf 50 Personen erweitert, da im Winter 2003/2004 die Leistungen und Angebote des Nachtasyls von sehr vielen Personen in Anspruch genommen werden mussten und zur Versorgung von weiteren 40 Personen sogar Wohncontainer aufgestellt wurden.

Nach dem Eintritt in die Europäische Union im Jahr 2004 wurden durch EU-Fördermittel im Rahmen des Europäischen Sozialfonds neue Möglichkeiten für die Entwicklung der Hilfesysteme der Wohnungslosenhilfe eröffnet. In enger Kooperation mit der Leitung des Sozialreferats der Kreisstadt Nyíregyhàza hat Oltalom es geschafft, moderne und differenzierte Hilfen für ehemals wohnungslose Menschen auch in der Region weiter zu entwickeln. Im Rahmen der EU-Förderprogramme konnte dann Ende 2007 ein neues "Tageszentrum" mit den Abteilungen Wärmestube, Beschäftigungswerkstatt, Volksküche, Tagesstätte für Suchtkranke, Arztpraxis und Obdachlosenheim erbaut und eingeweiht werden. Unter anderem fand im September 2009 in Nyiregyháza ein Fachtag zum Thema Wohnungslosigkeit in Ungarn – Neue Formen der Hilfe für wohnungslose Menschen - statt, veranstaltet von Oltalom Szeretetszolgálat und der Evangelischen Diakonie in Ungarn. Herzogsägmühle beteiligte sich am Fachtag und diskutierte auch die konzeptionellen Weiterentwicklungen bei uns sowie die nahezu atemberaubende bauliche und fachliche Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe in Nyíregyháza und Herzogsägmühle in den letzten Jahren mit.

Ein wichtiges Zeichen der gemeinsamen Arbeit war die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages im Jahr 2011 sowie 2012 die gemeinsame Teilnahme am Partnerschaftsfest der Evangelisch Lutherischen Kirchen von Bayern und Ungarn in Nürnberg. Durch weitere EU-Fördermittel konnte Oltalom Szeretetszolgálat 2014 ein neues Gebäude für die Installation eines Übergangsheims für wohnungslose Alleinerziehende und Familien aufbauen. Auf großes Interesse seitens der Partner aus Oltalom stießen im selben Jahr auch die Entwicklungen in Herzogsägmühle, die bei der Teilnahme am Fachtag "120 Jahre Wohnungslosenhilfe" ihren Höhepunkt fand.

Bisher gab es viele gegenseitige Besuchsreisen, Teilnahme an Sportfesten, gegenseitige Hospitationen und mehrere Hilfstransporte nach Nyíregyháza mit Erwachsenenkleidung, Waschmaschinen, Spielsachen und Büromöbeln.

Ein wichtiger Punkt in der Partnerschaftsarbeit ist die Zusammenführung der hilfeberichtigten Menschen, sodass sich regelmäßige begleitete gemeinsame Freizeitmaßnahmen installiert haben. Bereits fünf gemeinsame Freizeiten konnten seit 2010 in Ungarn zusammen stattfinden. Diese wurden durch das Diakonische Werk Nürnberg gefördert. Entscheidend war dabei immer, dass die Treffen auf gleicher Augenhöhe und im Bewusstsein des gegenseitigen "Voneinanderlernens" über Sprache und Landesbarrieren hinweg erfolgte.

Die Partnerschaft zwischen Oltalom und Herzogsägmühle ist geprägt von großer Herzlichkeit, gegenseitigem Lernen und dem gemeinsamen Anliegen, für die Belange wohnungsloser Menschen in allen Lebenslagen einzutreten.

Die Partnerschaft blüht im Geiste eines gemeinsamen diakonischen Auftrages im Zeichen der christlichen Nächstenliebe.